Sie zeigt die Geste!

Es gab viele Gesten in dieser Welt. Eva, sie zeigt die Geste, doch davon hatte ich in diesem Moment noch keine Ahnung, auch nicht wie weitreichend die Antwort darauf sein wird. Wovon ich Ahnung hatte war, das ich das Herz des Chefs berührt habe.

„Johann, komm mal, bring Samuel rüber auf die Platze 12a, seinen Freund“ dabei deutete er auf Robert der nun auf uns zu gelaufen kam, da Petra sich auf ihren Ritt konzentrieren musste, auf Platz 12b!“

„Aber Chef das sind die besten Plätze. Sollten da nicht Oberst Lorenz und Professor Wiesengrund sitzen?“ gab Johann dem Chef aufgeregt zurück. Robert stand nun auch neben uns.

„Passt schon, Johann ich hol mir die beiden Herren in meine Loge“

„Ja dann, kommen sie bitte weiter meine Herren!“ empfing uns Johann der stämmige Knecht hier auf dem Reiterhof. Was brauchte es da ein Wolfsrudel bei solch einem Knecht, dachte ich mir und dabei lief mir ein kalter Schauer über den Rücken.

Wobei ich brachte die Gedanken nicht aus dem Kopf, ich bewundere Dich und im Nachhinein Deine Sicherheit die Geste zu zeigen.

Wobei Johann in seinem Trachtenanzug, freundlich, nett und zuvorkommend rüber kam, trotzdem in der Nacht irgendwo im „Niemandsland“ wollte ich ihm nicht alleine begegnen.

„Hehe was geht da denn ab?“ flüsterte Robert mir zu.

Ich sah Robert an.

„Ich bin dem Chef sympathisch!“ gab ich lachend zurück und dachte mir oft ist es schon einfach in diesem Leben die richtigen Wege zu gehen.

Vom Platz 12a konnte ich wirklich unglaublich gut sehen. Ich beobachtete die Reiter wie sie erst ihre Pferde zur Mitte des Parcours führten. Diese den Kopf beugten, die Reiter Ihre Helme abnahmen und sich ebenfalls verneigten. Vor den Richtern, dem Publikum, dem Veranstalter. Danach nahmen sie langsam Fahrt auf. Erst in den Schritt, Trab dann in den Galopp. Es gab einige mit konzentrierten Ritten. Andere waren zu aufgeregt, sodass sie scheiterten. Nach drei geworfenen Hindernissen gaben manche auf um ihre Pferde nicht zu verheizen.

Dann die Durchsage: „Und jetzt meine Damen und Herren die Startnummer 17. Fräulein Eva Eisenberg auf ihrem Holsteiner Hengst Rondall. Sie startet für den Verein Sonnenwelt, dem Veranstalter dieses tollen Turniers. Gleichzeitig ist sie die Tochter des Veranstalters Herrn Eisenberg. Lasst uns schließlich die Beiden mit einem riesen Applaus begrüßen.“

Die Leute,  es waren mindestens zehntausend Zuseher anwesend.

Jetzt konnte ich auch verstehen, was Eva gestern meinte mit, „Habe ich die nicht immer“ sie seufzte bei diesen Worte. Dabei ging es wohl  um die Verantwortung als Tochter des Chefs unterwegs zu sein. Zu allem anderen Stress und Aufregung, kam diese Last die Tochter des Chefs, hinzu. Viele denken bestimmt, das ja auch toll, doch nein meistens ist es eine große Verantwortung.

Klar für die Dummköpfe, die hinter dem Namen der Familie herlaufen, sich über die Verneigungen der Bücklinge freuen, sie fühlten kein Verantwortungsbewusstsein.

Doch meist, wenn das Leben es mit einem Ernst meint, steckt eine ordentliche Portion Angst auch dahinter. Doch es steckt viel darin. Versagensangst. Angst macht die Sehnsucht erst richtig spürbar.Angst macht auch die Sicht klarer auf den Torwächter in uns der uns gerne mal zuflüstert, ach lass es doch sein.

Ich sah runter, sah wie Eva in die Mitte des Parcours ritt, ihren Reithelm abnahm, Rondall den Kopf neigte, genau wie Eva sich verbeugte, vor den Richtern und dem Publikum und dem Veranstalter, ihrem Vater.

Doch dann machte Eva noch etwas, was kein Reiter vor ihr getan hatte. Ihr Blick wanderte durch die Zuschauer vor mir und dann blickte sie geradewegs zu mir hoch. Klar das sie ihrem Vater darum gebeten hat mich hier hinzusetzen damit sie mich in diesem Wirrwarr an Menschen leicht sehen konnte. Doch das war es noch nicht.

Sie zeigte mit ihrer rechten Hand die geöffnet war auf mich, dann legte sie ihre Hand auf ihr Herz. Bedeckte damit ihr Herz das bestimmt auch aufgeregt klopfte so wie meines in diesem Moment. 20.000 Augen richteten sich plötzlich auf mich, denn

sie zeigt die Geste, mir!

Auch Robert neben mir starrte mich, an als wäre ich ein Alien. Ich wusste, dass ich antworten musste.

Es war plötzlich eine Stille, in der Arena, es war als würde für einen kurzen Moment die Welt still stehen und auf mich sehen. Es war eine Situation unvorstellbar noch vor wenigen Momenten und doch jetzt wo es war so groß und aufregend und zugleich erfüllend. Ich tat was mein Vater mir immer sagte in Momenten in denen du im Zentrum des Lebens bist, gibt es nur eine Antwort auf alle Fragen, folge dem Herzen.

Deshalb führte ich meine rechte Hand an mein Herz, nicht geöffnet nein ich machte eine geballte Faust danach bewegte ich die Hand und öffnete sie langsam bis sie in Richtung Eva zeigte. Dabei legte ich den Daumen auf den Zeigefinger.

Sie sah mich an, lächelte und verbeugte nochmals ihren Kopf. Diesmal nur vor mir.

Dies war sie, die Geste der Königin wie ich bald erfahren sollte. Es bewegte alle hier im Stadion. Anscheinend wussten alle hier was sie bedeutet, wenn sie sie zeigt die Geste. Nur ich nicht. Bestimmt auch Robert nicht. Wobei der ja öfter mal zu Turnieren ging. Doch von einer bestimmten Geste hätte er mir hundertprozentig erzählt. Noch immer gab es diese atemberaubende Stille in der Arena. Eine Nadel die jetzt zu Boden fallen würde wäre hörbar bis über alle Welten hinweg.

Dann klatschten 20.000 Hände begeistert Applaus, für diese Geste, dafür das sie die Geste zeigt, ich bewunder dich in diesem Moment unendlich und die Geste der Königin, kannte ich jetzt auch. Die aus dem Herzen kam. Menschen lieben Zeichen und Gesten. Es ist ihr Immunsystem gegen Manipulation.

Das irrwitzigste an der Szene war, das Evas Vater aufstand und in meine Richtung applaudierte. Was dies alles bedeutet, ich hatte keine Ahnung. Die Menschen zu begeistern mit einer Geste die aus dem Herzen folgte, war schon was besonderes.

zurück weiterlesen

Teile mich mit deinen Freunden
Verschick die Story auch über WhatsApp