Komm Junge iss!

Dabei goss sie gerade meinem Vater eine Tasse Kaffee ein. „Komm Junge, iss!“ meine Mutter liebte diesen Spruch. Sie sagte ihn immer wenn sie meinem Vater eine Tasse Kaffee eingoß. Als Erinnerung an seine Mutter, welche dass immer zu meinem Vater gesagt hatte. Wohl deshalb um damit auszudrücken, die Kriegszeiten sind vorbei – wir haben genug zu essen endlich. Großmutter war durch viele Höllen gegangen, aber nach meiner persönlichen Einschätzung die größte war Theresienstadt. Oft denke ich darüber nach wie diese Erinnerungen tragbar werden können. Wie es möglich ist, die Erinnerungen an abscheuliche Taten aufrecht zu erhalten, ohne ihnen Macht zu geben.

„Das klingt ja interessant, aber leider muss ich euch heute enttäuschen. Ich möchte gerne bei unserem Reitturnier zusehen, nachdem ich sozusagen eingeladen wurde, als Glücksbringer die Daumen zu drücken.“ gab ich zwischen zwei Bissen von meinem Butterbrot zu besten. Samstagsfrühstück bei meiner Mutter und meinem Vater es war immer ein freudiger Moment. Hier zu sitzen und zu sein.

„Ach ja? Glücksbringer?“

„Wie heißt sie denn?“ fragte meine Mutter mit einem lächelnden Blick erst zu mir dann zu meinem Vater.

Für einen kurzen Moment unterbrach ich mein genussvolles kauen und nahm einen Schluck Kaffee. Sah meinen Vater, meine Mutter an. Dann ohne lange zu überlegen sagte ich:

„Eva ist ihr Name“ sagte ich mit fester Stimme.

Meine Mutter sah mich plötzlich überrascht an.

Eva? Wo hast du sie denn kennen gelernt?“ fragte meine Mutter sehr interessiert nach.

„Gestern, Robert und ich waren wiedermal unten am Reiterhof, Sonnenwelt, er schleppt mich da immer hin weil da seine Petra ist. Das deutsche Mädel. Dem er nach hechelt und am Ende wagt er es eh nicht sie anzusprechen. Plötzlich war da Eva hinter der Bar, sie arbeitet dort.“

„He, Eva die Tochter von Carmen Eisenberg?“ rief meine Mutter überrascht aus.

„Carmen Eisenberg, du kennst die beiden?“ fragte mein Vater und wir sahen beide meine Mutter an.

„Ja, du weißt doch Schatz, Hotel Eisenberg vorne auf der Hauptstraße. Ich kenne sie von meinen Ausgrabung in Rom. Damals haben wir uns kennengelernt. Sie hatte 2 Monate an einem Werbeprojekt in Rom für die Region hier gearbeitet. Carmen ist sozusagen die Chefin vom Touristenverband. Wobei das ja die anderen Mitglieder nicht gerne hören – Chefin – doch ohne Carmen würden viele Hotels in der Region leer stehen. Manno Eva.“ meine Mutter sah mich jetzt fast verträumt an. Diese Carmen Eisenberg muss ja einen mächtigen Eindruck bei ihr hinterlassen haben.

Mutter sah mich genau an,sagte komm Junge iss.

Sie sah in meinen Augen das verzücken des frisch Verliebten. Sie beugte sich rüber zu meinem Vater gab ihm erst einen Kuss auf die Wange. Dann flüsterte sie ihm etwas ins Ohr. Ich verstand nur ein – Sam – ist iebt —-. Samstagsfrühstück bei meiner Mutter und meinem Vater bedeuteten aber auch lächelnd erforscht zu werden.

Mein Vater lächelte in meine Richtung, bevor er sich zu meiner Mutter drehte und sie küsste . Das mochte ich am meisten, wenn meine Eltern ihre Liebe sich zeigten. Oft kamen sie mir vor als wären sie frisch verliebt. Jedoch ohne dieses Getue, nein so als würden sie sich zum ersten Mal sehen um zu wissen das sie sich immer schon kannten.

„Was Mutter??“ unterbrach ich die beiden Turteltauben.

„Du bist verliebt, Samuel, stimmt’s?“ gab meine Mutter zurück, legte beide Hände auf den Tisch. Bereit mir alles über die Liebe in einem Satz zu sagen.

„Wirkt es denn so?“ fragte ich.

„Es ist so, es wirkt nicht es ist so mein Engel. Immerhin verzichtest du auf einen Ausflug mit deinen Eltern. Oder?“

„So gesehen ja“ lachte ich.

Ich liebe meine Eltern. Vor allem deshalb weil ich hier niemals beweisen musste was oder wer ich bin. Sie unterstützten mich immer bei der Einstellung meiner Erinnerungen. Denn hier kam das Gesetz der Ahnen klar zum tragen. Das behüten und lieben der Erinnerungen erschafft die Welt in uns. Dafür gab es immer den Rückhalt von ihnen. Ich spürte es auch dann, wenn ich es gar nicht wusste, dass sie mich behüteten.

Es geht nicht darum in der Welt in der wir leben, eifersüchtig unsere Erinnerungen in einen Tresor einzusperren und zu bewachen. Der Sinn des ganzen liegt darin seine Erinnerungen mit den Ahnen zu teilen. Sie auch daran teilhaben zu lassen. Sie auch mal dazu lernen zu lassen. Ihnen die Möglichkeit zu geben über alle Zeitenwelten hinweg neues zu erkennen.

Komm Junge iss,

wird mit Sicherheit auch meine Großmutter immer erreichen und sie zum lächeln bringen. Jetzt lächelt sie bestimmt über diesen Satz.

Ja auch hier greift sie wieder die Verschränkung der Quanten. Auch wenn Albert Einstein nicht so recht daran glauben wollte. wird durch Messung an einem Teilsystem ein anderes beeinflusst. Wieso dann nicht auch zurück oder nach vor oder gar nach oben oder unten in der Zeit.

Samstagsfrühstück bei meiner Mutter und meinem Vater, waren der Grund für so unglaublich viele schöne Momente in meinem Leben. Es gab auch unendlich viele Diskussionen oft bis in die Morgenstunden des Sonntag. Über Themen von Geschichte, antiken Völkern, der Politik, Quantenphänomene und da lief dann auch schon mal die Lieblingsmusik meiner Mutter ROY BLACK ! Ja echt, auf den stand sie voll.

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