Der Spiegel des Vampirs

Als ich in meinem Bett lag, dachte ich schließlich lange über das Wochenende nach. Ich erinnerte mich an Franz. Auch an seine Geschichte vom Spiegel des Vampirs.

Franz hatte mal bei uns im Haus gearbeitet und die Heizungsanlage repariert. Ich war damals 10 Jahre alt und saß vor dem Haus auf den Stufen, er schweißte, schnitt und bog Rohre. Dabei erzählte er mir von seinen Reisen durch die Welt. Er war Fernlastfahrer bei meinem Vater. Franz kannte alle Strecken.

„Weißt du mein Junge was du immer brauchst, wenn du da runter fährst zu den Arabern. Nein kein Geld oder Geschenke oder gar Bestechungen. Nein Araber wollen Geschichten hören. Eine Gesichte wollen die hören. Es ist ihnen egal was du verlangst für das was du verkaufst, wenn du eine gute Geschichte dazu hast.“

Franz sah mich an. Dann sah er das Gewinde am Rohr an, welches er gerade geschnitten hatte. Blies die Metallspäne vom Rohr und wiederholte.

„Ja eine verdammt gute Geschichte brauchst du.“ Dabei sah er mich lange an und lächelte.

„Erzähl mir eine deiner Geschichten Franz.“

„Du willst eine Geschichte hören. So eine wie die dich damals diesen Hasan aus Bagdad erzählt habe? Das schon etwas her, obwohl Moment was hatte ich geladen. Ja es war ein Baukran für ein Hochhaus in Bagdad.

Der Baukran lag hinten auf dem Ausländer gut verstaut und es wirkte als würden die Eisenrohre eine schwere Skulptur abbilden mit ihren zwei sich beinahe berührenden Armen. Ich bin damals von Budapest losgefahren runter bis in den Irak. In Bagdad sollte ich dann meinen Kontaktmann finden. Hasan. Doch der war nicht zu erreichen. Das konnte gefährlich werden für einen Europäer alleine in einem arabischen Land. Gerade die LKW-Diebe waren keine Armen, die waren reich sehr reich oft.

Wir waren geduldet standen aber nicht unter irgend jemandes Schutz. Wie überall gab es auch hier LKW-Diebe. Die einfach deinen Laster klauten. Langsam wurde ich da auf der Landstraße zehn Kilometer vor Bagdad ungeduldig.

Dann endlich ein gelber alter Mercedes. Das Auto rollte auf mich zu. Darin saß ein Mann mit dunklen Sonnenbrillen. Er parkte sich geradewegs vor mir ein. Der Mann stieg aus. Kam zu mir, fragte mich auf englisch, Du wartest auf Hasan, Ich gab ein kurzes Ja zurück. Der Mann nahm vorher die Sonnenbrille ab und sah mich an. Da bin ich. War seine Antwort. Dabei öffnete er einladend seine Armen“

Franz sah hoch von seinem Schneidbrenner, nahm das Feuerzeug und zündete das Gas an. Mit einem Knall stürzte die Falle heiß wie die Sonne aus dem Schneidbrenner.

Er schnitt rasch drei Stücke runter diese klapperten zu Boden.

Das hohe klirren von Stahl auf Beton folgte, dann sah Franz hoch zu mir, seine Augen versteckte er hinter der Schweißerbrille.

„Ja Hasan, das war jetzt mein Führer, mein Freund mein Verbündeter. Am Ende konnte mein Leben von ihm abhängig sein. Da war es wichtig das ich im vertrauen konnte. Ich kannte Hasan nicht, es konnte jeder sein am Ende der da vor mir stand und sagte er sei Hasan.“

Franz nahm die drei halben Meter Metallrohre und stieg damit die Treppe hoch. Ich folgte ihm. Öffnete ihm die Tür zum Wohnzimmer, die Heizungsrohre um die Ecke im linken Bereich des Zimmers zu führen. Genau darauf marschierte er los, wie ein General mit seinen Soldaten.

„Also wie soll ich herausfinden ob dieser Hasan da der war den ich brauchte um meine Ladung sicher in Bagdad abzuliefern. Mein Junge?

Geschichten sind immer eine Lösung!

Vor vielen vielen Jahren also lange bevor du geboren wurdest, gab es das byzantinische Reich und wie oft in diesen Reichen gab es Betrüger Neider. Doch auch oder gerade im Islam zählt, das erst das Leben der Armen verbessert werden muss. Doch es gab auch Generäle die Kriege führen mussten und die vertrauen mussten. Oft waren die Heere weit getrennt und so waren die Generäle angewiesen den Boten zu vertrauen. Doch auch unter ihnen konnten Betrüger sein. Die falsche Meldungen verbreiteten um so die Generäle zu stürzen um am sich selbst oder Ihre Auftraggeber im Sattel zu hieven. Mathematisch betrachtet gibt es ab 30% Verräter kaum mehr ein brauchbare Lösung. Wenn dir ein einziger gegenüber steht, so wie mir da dieser Hasan, dieser ist ein Lügner würde es gar nicht mehr möglich sein ihn zu entlarven. Doch da gab es eine Lösung und diese hat mir ein rumänischer Pilger verraten.

Die Methode nennt sich der Spiegel des Vampirs.

Du weißt doch mein Junge Vampire haben ja kein Spiegelbild. Weißt du das?“ fragte mich Franz.

„Ja das hat mir meine Mutter mal erzählt. Vampire haben kein Spiegelbild.“

„Perfekt, deine Mutter ist ein kluge Frau, wenn sie dir schon jetzt solche Sachen erzählt. Der Spiegel des Vampirs, das Geheimnis hinter der Methode ist, dem anderen etwas zu sagen, worauf dieser eine Antwort gibt, wenn sie gelogen ist oder er dich betrügen will, dann erscheint im Spiegel der Sprache kein Bild.

Da steht dieser Hasan vor mir auf der Landstraße Richtung Bagdad sieht mich an. Es ist heiß in der Fahrerkabine meines Lasters. Ich habe Durst und Hunger. Kann ich dem Mann da vertrauen? Was mein junger Freund würdest du ihn fragen?“

Franz sah mich mit einem Lächeln an.

„Ich weiß es nicht, ich habe keine Ahnung.“ gab ich zurück nervös weil ich neugierig auf das Ende der Geschichte war.

„Was würdest du denn Robert fragen um raus zu finden ob er dein Freund ist?“

„Ich, Robert, nichts den brauch ich das nicht zu fragen, dass weiß ich doch das der mein Freund ist.“

„Siehst du, da hast du das Spiegelbild deiner Frage. Nichts und niemand könnte das verfälschen. Weil du 100 Prozent die richtige Antwort auf deine Frage hast. So jetzt stell dir mal vor, was ich den da Fragen könnte, worauf ich 100 Prozent die richtige Antwort habe.“

„Du könntest ihn nach deinem Namen fragen.“

„Junge du lernst schnell sehr schnell“ Franz drehte sich zu mir um während er die Rohrzange auseinander schob und lachte mich begeistert an.

„Also ich sehe diesen Hasan da vor meinem Laster stehen und ein Lächeln auf den Lippen. Kurz um strecke ich ihm die Hand entgegen und sage, Hallo ich bin Chris Hager aus Budapest danke das sie Zeit für mich haben. Hasan sieht mich an, ergreift meine Hand mit den Worten, ich dachte sie wären Franz Hager aus Budapest?“

„Spiegelbild. Im Spiegelbild kam mein richtiger Name, hätte er nicht deinen richtigen Namen gewußt, wäre kein Spiegelbild erschienen, er hätte einfach gesagt, guten Tag oder was ähnliches und dein Spiegelbild wäre verschwunden. Der Spiegel des Vampirs hat sich gezeigt. Stimmst?“ fragte ich aufgeregt Franz.

Franz stand auf und kam auf mich zu.

„Junge das ist perfekt genau die richtige Lösung.“

Ich lachte fröhlich auf. Erleichtert und doch auch begeistert von der Geschichte.

„Junge vergiss es niemals, Araber lieben Geschichten.“

Das war Franz und seine Geschichte vom Spiegel des Vampirs. Wie oft habe ich es in all den Jahren ausprobiert. Jedesmal lächelte ich wie einfach und sicher die Methode war.

zurück weiterlesen

Teile mich mit deinen Freunden

Teile mich mit deinen Freunden auf Linkedin 
Verschick die Story doch über WhatsApp